Der Artikel 31 der Kinderrechte definiert das „Recht auf Kultur, Spiel und Freizeit“ und führt u. a. aus, dass Kinder und Jugendliche nicht nur die Möglichkeit, sondern eben sogar das Recht „auf volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben“ haben (sollen).

Foto: © Next Liberty / Stella

Seit Mitte März hat sich unser aller Leben und damit auch die Umsetzung und Erfüllung all unserer Möglichkeiten und Berechtigungen, Bedürfnisse und Rechte auf die eigenen vier Wände verlagert. Seit Wochen sind nun die Büros und Verkehrsmittel, Klassenräume und Konferenzzimmer, die Spielplätze und Innenhöfe ebenso leer wie die Probenräume, Bühnen und Sitzreihen der Kulturstätten – dafür sitzen in den einen Privaträumen diejenigen, die etwas zu zeigen, schon Konzepte, Stücke, Konzerte, Texte, Filme vorbereitet und zum Teil auch schon umgesetzt haben, motiviert und bereit, sie (endlich!) wieder der Welt, den Interessierten da draußen zu präsentieren.

Und in den anderen Wohn-, Ess- und Kinderzimmern warten die vielen potentiellen Zuschauerinnen und -hörerinnen mit ungültig gewordenen Eintrittskarten und durchgestrichenen Kalendereinträgen, bereit, sich (endlich!) wieder inspirieren, unterhalten, aufregen oder ablenken zu lassen.

Das perfekte "Match"

Nun, das klingt wie die perfekte Kombination. War es auch. Und wird es wieder sein. Dass diese beiden Komponenten für eine bestimmte Zeit nicht in gewohntem Umfeld und Ausmaß zusammenkommen können, ist ebenso schade für alle Beteiligten auf, hinter und vor den Bühnen, wie notwendig für die Eindämmung des Virus – und hinterlässt (nicht nur buchstäblich) ein Gefühl der Leere.

Denn genau dieses Zusammentreffen von Kunstwerken, Künstler*innen und Publikum, dieses Versammeln von Menschen zur selben Zeit am selben Ort, um dieselben Dinge zu verhandeln, der persönliche Austausch bzw. die Auseinandersetzung untereinander und -miteinander, die Gelegenheit, direkt, spontan und „live“ Feedback zu geben und so gemeinsam einmalige Momente zu kreieren, ist das, was uns als Kulturschaffende ausmacht, bestärkt, antreibt, weiterbringt – und (idealistisch wie buchstäblich!) am Leben hält. Deshalb wünschen wir uns auch, hoffen und fordern, dass dieses perfekte „Match“ so bald wie möglich wieder stattfinden kann.

Und in der Zwischenzeit? Suchen wir nach Alternativen, unserer Aufgabe als „kulturelle Nah- und Fernversorger“ weiterhin best- bzw. irgendmöglich nachkommen zu können, als sinnstiftende, notwendige und wichtige Partner für alle „offen“ und „sichtbar“ zu bleiben und den „Gap“ zwischen dem Publikum (in den einen Räumen) und dem kulturellen Angebot (in den anderen Räumen) so gut wie möglich zu überbrücken.

Das schier unüberblickbare und vielfältige Angebot an digitalen Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Aufführungen und und und zeugt von eben diesem verantwortungsvollem Bestreben und Bewusstsein – und die enorme Resonanz und positiven Rückmeldungen auf all diese Formen und Versuche zeugen von dem großen Bedürfnis nach der „Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben“ – nicht nur trotz, sondern gerade vielleicht auch wegen einer Ausnahmesituation wie dieser.

„Heim-Spiele“ des Next Liberty

Gerade in Familien und Haushalten, in denen Kinder und Eltern bzw. mehrere Generationen zusammenleben, ist die aktuelle Situation, in denen die schulischen Einrichtungen und viele Betreuungsangebote wegfallen, sehr herausfordernd.

Um auch während der spielfreien Zeit (die bis zum Start der neuen Spielzeit im Herbst 2020 andauern wird) für die Zuschauer*innen da – oder eben „sichtbar“ – zu sein, hat auch das Next Liberty nach alternativen Möglichkeiten gesucht, wenn schon nicht das Publikum ins Theater, dann doch das Theater zum Publikum zu bringen: Deshalb stehen seit Mitte März unter www.nextliberty.com allen Theaterinteressierten in regelmäßigen Abständen ausgewählte Bühnenhighlights der vergangenen Jahre, theaterpädagogische Video-Tutorials (mit Übungen und Spiel-Anleitungen) und Material- bzw. Bastelmappen zu unterschiedlichen Stücken für jede Altersgruppe – kostenlos – zur Verfügung.

Nachdem das opulente Familienmusical „Die fürchterlichen Fünf“ in den ersten Wochen mit über 5.000 Clicks äußerst positiv aufgenommen wurde, kann man sich ab 21. April mit Christoph Steiners ebenso kleinteiliger wie großherziger Märchen-Adaption „WOLF oder Rotkäppchens Entscheidung aus dem Bauch heraus“ (6+) ein weiteres Musiktheater-Stück – und ein bisschen Grimm’sche Waldluft – ins Wohnzimmer holen.

Ab 12. Mai bringt dann die wild-witzige Komödie „Die Tanten“ (12+) eine herrlich schräge Familiengeschichte samt Meeresblick und Jazz-Piano nach Hause, die einmal mehr belegt, wie wunderbar und herausfordernd Familien jeder Art und Zusammensetzung sein können.

Und zum Abschluss der Next Liberty-„Heim-Spiele“ lädt im Juni noch das ebenso kluge wie unterhaltsame Kinderstück „Krähe und Bär oder Die Sonne scheint für uns alle“ (7+) vom Erfolgsautor Martin Baltscheit zum Philosophieren und dazu ein, einmal mehr das Positive unterschiedlichster Perspektiven, Zaunseiten und Situationen zu sehen. (Das gleichnamige Bilderbuch vom Verlag Dressler ist übrigens im Buchhandel erhältlich.)

www.nextliberty.com

Gestärkte Kinderrechte:

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Über die Autorin/den Autor:

Dagmar Stehring

 

Dagmar hat ihre Leidenschaft für Texte und Wörter zum Beruf gemacht; seit über 10 Jahren ist sie im Next Liberty als „Dramaturgin“ u. a. dafür zuständig, passende (aktuelle, kluge, spannende, aufregende, lustige, ungewöhnliche, ...) Theaterstücke für ein junges Publikum ausfindig zu machen und (textlich) aufzubereiten.

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