Gemeinsame Stellungnahme und Lösungsvorschläge zur Situation im Augarten des Vereins Kinderbüro – Die Lobby für Menschen bis 14, der Kinderbürgermeisterin des Kinderparlaments Graz und der Radlobby ARGUS Steiermark.

Graz, 26. August 2021

Die aktuelle Lage

Durch den Bau der Augartenbucht wurde sowohl den Radfahrenden wie auch den Kindern Platz weggenommen und diese Bevölkerungsgruppen trotz vorausgehender eindringlicher Warnungen auf den verbleibenden Raum zusammengepfercht. Die Resultate sind sowohl ein deutlicher Qualitätsverlust für den Aufenthalt spielender Kinder im Park als auch für Radpendler*innen, bis hin zu gefährlichen Konfliktsituationen für Radfahrende und spielende Kinder. Diese unhaltbare Situation muss umgehend behoben werden.

Bereits im Jahr 2008 hat die Radlobby ARGUS Steiermark in einer Stellungnahme zu möglichen Parköffnungen die Kernzonen sowohl im Stadtpark als auch im Augarten als Tabubereiche für den Radverkehr angesehen und auf die Wichtigkeit der wenigen verbleibenden Rückzugsbereiche für Fußgängerinnen und insbesondere für spielende Kinder hingewiesen, die sonst in Graz kaum noch vorhanden sind. Durch die jüngsten Umbaumaßnahmen im Augarten sind die vor allem bei Klein- und Schulkindern sehr beliebten und wichtigen Spielbereiche, wie der Hügel, die Burg, usw. ersatzlos weggenommen worden. Zu dieser Wegnahme des Rückzugs- und Spielraums der Kinder hat sich nun zusätzlich ein großer Sicherheitsaspekt durch den neuen Radweg ergeben. Dies führt zu vielen Konflikten sowie einigen Unfällen. Das aus Kindersicht wichtige politische Ziel, sanfte Mobilität im städtischen Bereich zu fördern, führt an dieser Stelle jedoch zu einer Verschlechterung für Kinder im Park. Für das Kinderbüro sowie das KinderParlament Graz, für das Mobilität aktuell eines der zentralen Themen ist, ein unerträglicher und nicht zukunftsadäquater Zustand.

Durch den Augarten führen die Grazer Hauptradroute HR8 nach Gössendorf und zugleich der Murradweg R2, eine der wichtigsten Fernradrouten der Steiermark. Beide wurden damit alternativlos gekappt. Der Murradweg R2 ist nicht nur für schnelle Alltagspendler*innen, sondern auch für zahlreiche Tourenradler*innen eine extrem wichtige Nord-Süd-Achse, die durch den Umbau nur noch erschwert zu passieren und somit unattraktiv geworden ist. Die Situation wäre für den Autoverkehr in etwa vergleichbar mit der Unterbrechung der Autobahn A2 durch eine Wohnstraße. Dies wäre für niemanden akzeptabel, Radfahrenden und Kindern mutet die Stadt Graz dies dagegen zu.

Der Augarten ist zudem Knotenpunkt für mehrere wichtige Radverbindungsrouten, für die nennenswerte Alternativen ebenfalls fehlen. In den letzten Jahren hat der Radverkehr zudem auf der Augartenroute mit Spitzenwerten von ca. 7.000 bis 8.000 Radfahrenden in 24 Stunden stark zugenommen und überflügelt inzwischen teilweise sogar die bisher stärkste Grazer Radroute auf der Keplerbrücke. Da sich diese Zunahme bereits seit Jahren abzeichnet, hat die Radlobby ARGUS
Steiermark auch seit längerem eine hochqualitative Entlastungsstrecke rund um den Augarten gefordert, die stets mit dem Argument abgelehnt wurde, dass Baumaßnahmen im Bereich des Augartens nicht möglich seien. Umso unverständlicher ist es, dass nun mit dem Bau der Augartenbucht ein derart massiver Eingriff in ein ohnehin labiles Gefüge vorgenommen wurde, das somit seine Grenzen weit überschritten hat.

Unsere Lösungsvorschläge

Um die Situation wieder in den Griff zu bekommen, wird es dringend notwendig sein, sowohl den Kindern als auch den Radfahrenden ihren Platz zurückzugeben. Dafür sehen wir die folgenden Lösungen als alternativlos an:

  • Lückenschluss mit einem hochqualitativen Radweg am rechten Murufer mit weiterem Ausbau bis zur Keplerstraße. Diese Route soll dann den Hauptanteil des Nord-Süd-Radverkehrs übernehmen. Der Murradweg R2 kann damit ans rechte Murufer verlegt werden, um sowohl Radpendler*innen, als auch Tourenradlerinnen aus dem Augarten umzuleiten. Diese Maßnahme dürfte den Radverkehr im Augarten bereits zumindest halbieren.

  • Schaffung eines eigenen, kreuzungsfreien, hochqualitativen Radwegs am linken Murufer um den Augarten herum.

Weitere Maßnahmen ergeben sich aus dem MoVe iT Radwunschnetz, das bereits trassengenau vorliegt. Damit würde bis 2030 der schnelle Radverkehr durch den Augarten weiter zurückgehen.

Die Kinderbürgermeisterin des KinderParlaments, das Kinderbüro, und die Radlobby ARGUS Steiermark appellieren daher dringend an die Verantwortlichen bei Behörden und in der Politik, vor dem Hintergrund der angestrebten steigenden Radverkehrszahlen und für einen attraktiven Lebensraum für Kinder, rasch zu handeln und die oben genannten Maßnahmen höchst prioritär umzusetzen.

Der Vorstand der Radlobby
ARGUS Steiermark

Heidi Schmitt, Stephan Landgraf, Simone Feigl, Walter Bradler

Verein KinderbüroDie Lobby für Menschen bis 14
Thomas Plautz, Katja Hausleitner,
Romana Rossegger

Die Kinderbürgermeisterin
des KinderParlaments Graz Lucia Havrillova

Stellungnahme zum Download

Hier finden Sie einen Blogbeitrag zum Thema Kinderrecht auf Stadtraum und der Augarten aus Kindersicht.

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