Über 850 Kinder bis 14 Jahren stimmten bis 14. März 2022 online oder persönlich ab, um ihre Vertreter:innen für das KinderParlament 2022 zu wählen. Die hohe Wahlbeteiligung beweist, dass Kinder in Graz die Zukunft ihrer Stadt aktiv mitgestalten wollen.

Drei Mädchen und drei Burschen haben sich der Wahl gestellt. Ihre Forderungen waren vielfältig: Gewaltfreies Miteinander, gesundes Essen, Umweltschutz und Müllvermeidung, mehr Grünraum oder Sport- und Spielmöglichkeiten waren die Hauptthemen. Gewonnen haben schließlich Lucia Havrillova (12 Jahre alt) und Felix Kanzler (9 Jahre alt), die nun beide ihre zweite Amtszeit antreten und für ein weiteres Jahr Graz gleichberechtigt und gemeinschaftlich stellvertretend für alle Kinder regieren dürfen. Gemeinsam mit Mina, der stellvertretenden Kinderbürgermeisterin, Jonas, dem stellvertretenden Kinderbürgermeister, und Kinderstadträt:innen Judith und Oskar bilden sie die Grazer Kinderstadtregierung.

Die Kandidat:innen der KinderParlamentswahl 2022

Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, Jugend- und Familienstadtrat Kurt Hohensinner, Magistratsdirektor Martin Haidvogl, Ingrid Krammer, Leiterin des Amtes für Jugend und Familie, und Markus Schabler, Leiter des Fachbereichs Offene Kinder- und Jugendarbeit, nahmen die feierliche Angelobung am Grazer Hauptplatz im Anschluss an die persönliche Stimmabgabe aller Wahlberechtigten vor.

„Ich habe nicht erwartet, wieder Kinderbürgermeisterin zu werden, aber es kam auch nicht ganz unterwartet”, sagt Lucia zum Beginn ihrer Wiederwahl und sichtlich erfreut. Ihr Bürgermeisterkollege Felix legt nach: „Ich war sehr aufgeregt und habe mich extrem gefreut.“ Beide wollen ihre Arbeit aus dem Vorjahr fortsetzen. Lucia wird sich für mehr Fahrradwege, ökologische Mobilität und mehr Stadtbegrünung einsetzen, während Felix das Schulessen verbessern möchte. Das Thema Gewalt gegen Kinder ist beiden ein großes Anliegen, vor allem Online-Aufklärung über Cybermobbing.

Bürgermeisterin Elke Kahr freut sich, dass sich auch Kinder in die Stadtpolitik einbringen wollen: „Politik ist nicht nur für viele junge Leute auf den ersten Blick ein langweiliges Thema. Es geht aber darum, wie wir unsere Umwelt und unser Zusammenleben so gestalten, dass wir gerne in unserem Umfeld, in unserer Stadt leben, arbeiten, spielen, lernen. Am besten gelingt das, wenn diejenigen selbst mitbestimmen, um die es bei Entscheidungen geht. Das gilt besonders für junge Menschen: Sie wissen selbst am besten, wo der Schuh drückt und wo es etwas zu verbessern gibt. Deshalb gibt es in Graz ein KinderParlament sowie eine Kinderbürgermeisterin und einen Kinderbürgermeister. Ich freue mich sehr auf eine gute Zusammenarbeit!“

erste Reihe (v.l.): Judith, Kinderbürgermeisterin Lucia, Kinderbürgermeister Felix, Oskar und Mina; zweite Reihe (v.l.): Stadtrat Kurt Hohensinner, Stadtrat Manfred Eber, Bürgermeisterin Elke Kahr, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und Gemeinderätin Anna Robosch

Kurt Hohensinner, Stadtrat für Jugend und Familie, weist auf das Engagement der Stadt Graz für Kinder und Jugendliche hin: „Der Grazer Gemeinderat hat mit einstimmigem Beschluss einen Kinder- und Jugendschwerpunkt bis 2026 beschlossen. Deshalb ist es uns besonders wichtig, Kindern eine Stimme zu geben. Mit den Kinderbürgermeisterinnen und Kinderbürgermeistern sowie dem gesamten KinderParlament tun wir genau das und geben ihnen die Möglichkeit, die Stadt positiv mitzugestalten. Der Einsatz lohnt sich. Wichtige Projekte wie das Rauchverbot auf Kinderspielplätzen oder unser Projekt ‚Graz wächst‘, durch das für jedes neugeborene Kind ein Baum gepflanzt wird, gehen auf entsprechende Initiativen des KinderParlaments zurück.“

Thomas Plautz, Geschäftsführer des Kinderbüros, sieht das KinderParlament als wichtiges Projekt für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft: „Kinder sind unsere Zukunft. Sie haben eigene Bedürfnisse, Ansprüche und ihre eigene Meinung. Für eine fairere und gerechtere Gesellschaft ist es wichtig, diese zu hören, anzunehmen und im Dialog darauf einzugehen. Das KinderParlament unterstützt die Grazer Kinder dabei, indem es den Austausch untereinander fördert und die Anliegen der Kinder gemeinsam mit ihnen an die zuständigen Stellen bringt. Für mich ist es immer wieder erstaunlich und faszinierend, wie kompetent und klar die Kinder ihre Anliegen präsentieren und argumentieren. In diesem Sinne freue ich mich auf die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Das Grazer KinderParlament

Mit dem KinderParlament hat die Stadt Graz eine besondere Möglichkeit geschaffen, Kinder und Jugendliche aktiv in den politischen Prozess einzubinden. Engagierte Schüler:innen im Alter von acht bis 14 Jahren haben so eine Plattform, mit der ihre Stimme in der Öffentlichkeit gehört werden kann. Überparteilich durchgeführt wird das KinderParlament vom Kinderbüro, der Interessensvertretung für Menschen bis 14. Das Kinderbüro organisiert regelmäßige Treffen, bei denen die Kinder ihre Ideen einbringen und diskutieren können. Für deren Umsetzung bekommen sie sogar ein eigenes Budget.

Eine Demokratie lebt von der aktiven Partizipation der Bürger:innen. Nur so entsteht ein lebendiger und breiter Diskurs über die wichtigen Fragen, die es zu lösen gilt. Das KinderParlament dient dazu, junge Grazer:innen schon früh für den politischen Prozess zu begeistern. Politik ist der Ort, an dem wir uns alle ausmachen, wie wir miteinander leben wollen. Deshalb ist es wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche mit dem KinderParlament eine Stimme haben.

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