Lange Zeit galten Europa und die EU für mich als Wiege und Vorreiter in Bezug auf Menschenrechte, Demokratie und Friedensstiftung. Nicht nur in der Schule wurde dieses Bild geprägt, auch die Verleihung des Friedensnobelpreises 2012 deutete ich als großes Signal in diese Richtung.
Nun ist jedoch ein Punkt erreicht, an dem ich dies – als Teil dieses Europas – in Frage stelle.

In nationalen und internationalen Zeitungen war zu lesen, dass hier bei uns (denn Griechenland ist  Teil unseres Europas und gilt als die Wiege der Demokratie) mit Tränengas gegen „rebellierende“ Minderjährige vorgegangen wird. Wie aus den Artikeln ersichtlich ist, wurde auf diese Weise einer Protestaktion begegnet,  bei der auch Mülleiner angezündet wurden.

Nur zu leicht ließe sich das Geschehen mit einem Satz erklären: „DIE haben Unruhe gestiftet, Mülleimer angezündet, das sind RandaliererInnen, der Einsatz von Tränengas ist da berechtigt.“

Doch die grundlegenden Forderungen dieser Kinder und Jugendlichen sind weder unverschämt, noch übertrieben!

Es geht nicht um eine bessere Zukunft auf Bestellung, sondern eine Chance sich eine bessere Zukunft aufbauen zu können. Es geht auch nicht um die  „soziale Hängematte“, sondern eine Perspektive – sich  durch eigenes Tun eine Absicherung und ein humanes Leben aufzubauen. Geflüchtete Minderjährige, die selbst lernen, arbeiten und wertvoller Teil der Gesellschaft werden wollen, sollten die Zeit ihres Lebens, in denen „europäische“ Kinder und Jugendlichen Bildung und Werte vermittelt bekommen, nicht mit Zuwarten verbringen müssen.

Ich nehme an, dass die Zahl jener, die wirklich nur das System ausnutzen wollen, ähnlich niedrig ist, wie jene der EuropäerInnen, die solches im Sinn haben. Daher sollten unsere Anstrengungen nicht vorwiegend in Richtung Verhinderung gehen!

Wir sollten Flüchtlingen Europa nicht als das Paradies verkaufen, aber, wenn wir uns als die Wiege der Demokratie, als die Vorreiter für Menschenrechte und -würde sehen, ist es unsere Pflicht

  • humane Bedingungen in Flüchtlingslagern bereit zu stellen.
  • klare Regelungen für Verfahren und deren Dauer aufzustellen.
  • zeitnah Ausbildungsangebote und Perspektiven zu schaffen.
  • den Flüchtlingen, die Grenzen der Machbarkeit und die Eigenverantwortung bewusst zu machen.

Wenn es um unbegleitete Minderjährige geht, denen wir in Europa nicht zuletzt aufgrund der UN-Kinderrechtekonvention ein besonderes Schutzbedürfnis gestehen, gilt dies umso mehr!

Nur zu leicht ist es auch hier wieder zu sagen: „Da braucht es eine gesamteuropäische Lösung“, da können wir alleine nicht!“ Es liegt nicht an der Politik. Es liegt an uns, den PolitikerInnen als LenkerInnen Europas bewusst zu machen, dass WIR einen humanen Umgang mit Geflüchteten wollen.

Oder ist es um ein Europa der Werte schon geschehen? Sehnt sich die Mehrheit nach einem „starken Führer“ oder  „konsequenten Regimes“, die uns Probleme vom Hals halten und unseren Wohlstand schützen – koste es, was es wolle?

Bitte machen Sie sich bewusst, welches Elend und wie viel Leid notwendig waren, um uns in Europa dahin zu bringen, wo wir hoffentlich noch sind – zu einem Vorreiter in Sachen Menschenwürde, Frieden und Freiheit.

 

Interessante Links zum Thema:

Gestärkte Kinderrechte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blogbeiträge via E-Mail abonnieren.
Facebook
Facebook
Über die Autorin/den Autor:

Thomas Plautz

MMag.

Thomas leitet das Kinderbüro. Er stellt sich oft die Frage, wie etwas aus Sicht der Kinder zu beurteilen ist. Er mag deren Spontanität und Ehrlichkeit und möchte die Zukunft so gestalten, dass sich Kinder in ihr wahrgenommen, geborgen und geschätzt fühlen. Diese Arbeit ist immer spannend und abwechslungsreich.

Alle Kinder brauchen eine Perspektive!