Die drei Initiator*innen von FFF in Graz, Lena Stuhlpfarrer, Jakob Prettenthaler und Marlene Seidel, wurden bei der Gala der Kinderrechte 2019 mit dem TrauDi!-Förderpreis ausgezeichnet. Dieser wird an Kinder und Jugendliche vergeben, die sich aktiv für die Kinderrechte einsetzen. Ich habe vorab Lena Stuhlpfarrer getroffen und über die Bewegung und ihre ganz persönlichen Beweggründe gesprochen.

Foto: Julia Schuster (www.julia-schuster.com)



Lena, wie bist du dazu gekommen dich für FFF zu engagieren? Wie hat alles angefangen?

Politisch interessiert war ich schon vor FFF, ich war bei einer Schülerinnen- und Schülerorganisation tätig, wo wir uns auch immer wieder klimapolitischen Themen gewidmet haben. Auch zuhause wurde das eine oder andere Thema diskutiert, vor allem meine Mutter war immer sehr interessiert - also das dürfte ich von ihr haben.

Und dann kam Greta Thunberg. Eine Welle von Streiks kam über die ganze Welt, in Graz allerdings passierte vorerst nichts. Zufällig traf ich über Instagram Storys auf Jakob und Marlene, die ich davor nicht kannte. Die beiden wollten ebenfalls aktiv werden, so haben wir uns gleich einen Termin ausgemacht und uns zusammengeschlossen. Es war ganz selbstverständlich, dass wir etwas machen müssen.



Eine Initiative dieses Ausmaßes hochzuziehen, stelle ich mir neben der Schule sehr
anstrengend vor. Was hat dich angetrieben, woher hast du die Energie genommen?

Ja, es war schon sehr stressig. Aber es gibt eben ein riesiges Potenzial auch in Graz. Viele Schülerinnen und Schüler wollten sich gerne engagieren, aber bislang fehlte eine Plattform dafür. Für mich persönlich ist es ein Wahnsinn, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimakrise zu ignorieren. Außerdem  sind wir von FFF jung, wir denken vielleicht noch „einfacher“. Wir können uns nicht vorstellen, warum Veränderung so unmöglich sein soll! Es macht fassungslos, aber auch wütend und das treibt uns an.

Ich persönlich bin überzeugt, dass nicht nur die einzelne Person etwas beitragen muss, indem sie zum Beispiel  auf PKW oder Fleisch verzichtet. Das reicht nicht, es muss etwas auf politischer Ebene passieren! Wir haben dazu ja auch einige Forderungen ausgearbeitet.



Was hat sich für dich persönlich verändert seit du bei FFF aktiv bist?

Mein Interesse für klimapolitische Themen hat sich natürlich verstärkt. Ich achte noch sehr viel bewusster darauf, wie ich im Alltag in Bezug auf meine eigene Klimabilanz agiere. Ich bin auch unserer Generation gegenüber positiver gestimmt: Es freut mich jeden Tag, dass so viele mitmachen und mithelfen! Durch den Austausch, die gemeinsame Reflektion und die Auftritte in der Öffentlichkeit habe ich mich auch in meiner Persönlichkeit  weiterentwickelt.



Hast du auch Gegenwind gespürt bzw. unangenehme Erfahrungen gemacht?

Ja! Gegenwind gibt es immer. Selten hat mir jemand ins Gesicht gesagt, dass wir hier etwas Sinnloses machen. Aber auf facebook habe ich zum Beispiel gelesen, dass wir nur instrumentalisiert würden, als ob die Schülerinnen und Schüler keine eigene Meinung vertreten könnten! Das ärgert mich sehr! Junge Menschen haben durchaus eine eigene Meinung und sollen diese kundtun dürfen!



Genau! Deshalb gibt es die Kinderrechte und für deren Umsetzung  arbeiten wir. Ihr wurdet ja auch mit dem
TrauDi!- Förderpreis ausgezeichnet, weil ihr als Jugendliche bei FFF für eure Meinung und Rechte einsteht…

Viele, die bei FFF tätig sind, erhalten nun Preise. Auch Greta selbst wurde ausgezeichnet, aber nicht alle Preise nimmt sie an. Ein Preis stellt ja eine Belohnung für etwas dar, für etwas das geschafft wurde. Klimapolitisch wurde bisher aber noch nichts erreicht! Auch wenn wir und die Bewegung uns sehr bemühen und uns über Wertschätzung freuen.



Fridays For Future ist eben in aller Munde. Hast du erlebt, dass diverse Player die Bewegung als Vehikel für eigene Interessen oder Botschaften nutzen wollten?

Natürlich haben auch politische Parteien das Gespräch mit uns gesucht und auch andere Interessensvertretungen oder auch Unternehmen. Aber wir überlegen uns immer sehr gut, mit wem wir dann beispielsweise auf ein Foto wollen oder nicht. Keinesfalls wollen wir  irgendjemandes Image aufbessern oder als  Werbeträger*innen fungieren oder sonst irgendwie instrumentalisiert werden.



Was würdest du Kindern und Jugendlichen empfehlen, die sich engagieren wollen z.B. in noch nicht bespielten Städten?

Gute Vernetzung ist ein Thema, Social Media kann helfen. Wir haben zu dritt eine Whatsapp-Gruppe gegründet und  geschaut, wer jemanden an den unterschiedlichen Schulen kennt. Dann haben wir jeweils eine Vertreter*in pro Schule in die Gruppe miteingebunden. Diese haben dann unsere Infos an die Schulen weitergetragen und mobilisiert – via Flyer oder Plakate oder face to face. Das hat unsere Arbeit sehr erleichtert.

Wir haben auch Lehrpersonen angesprochen, ob sie nicht mit ihren Klassen zu den Streiks kommen wollen. Die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen sollen ja keine Probleme wegen Abwesenheit in der Schule bzw.fehlender Aufsicht bekommen, daher ist es super, wenn Lehrer*innen mit im Boot sind.



Wie bleibt man motiviert? Hast du Tipps?

Es ist schon sehr viel Arbeit und Arbeitsteilung ist wichtig. Aber das Wichtigste ist: Es lohnt sich. Ich kann mich noch erinnern, als ich den ersten Streik mitorganisiert habe. Wir haben mit etwa 200 Teilnehmer*innen gerechnet und dann waren es plötzlich 1.500! Ich war baff und gleichzeitig unglaublich motiviert für die weiteren Aufgaben!

Fridays For Future Graz ist nun schon eine größere Gruppe und wir sind untereinander befreundet. Wir versuchen nicht nur zu arbeiten, sondern gehen auch mal zum Ausgleich nach einem Treffen essen oder machen Spieleabende.

Man trifft viele Gleichgesinnte und sieht, dass man nicht allein ist. Und gemeinsam packen wir die Dinge an. Es ist ein gutes Gefühl, etwas aktiv machen zu können.



Was möchtest du unseren Leser*innen bzw. der Welt noch mitteilen?

Der Klimaplan, der von der Übergangsregierung vorgestellt wurde, geht nicht weit genug. Nicht einmal die Pariser Klimaziele werden in irgendeiner Form eingehalten!

Verständlich, dass viele Angst haben, dass ihnen etwas weggenommen werden könnte. Ich denke da zum Beispiel an Menschen am Land, die auf ihr Auto angewiesen sind. Dennoch werden die Auswirkungen des Klimawandels sehr viel massiver und weitreichender sein, als die möglichen Maßnahmen die wir präventiv dagegen treffen können. So gesehen ist es eine Frechheit, dass Leute, die in der Politik und Wirtschaft Entscheidungen treffen, alle Warnungen ignorieren!

Dabei geht es nicht nur um hohe Kosten allgemein, sondern um Gerechtigkeit. Reiche Leute können sich Klimaanlagen kaufen, wenn die Sommer noch heißer werden. Reiche Menschen kaufen sich Geländewagen, wenn extreme Schneefälle erfolgen, die ja auch mit dem Klimawandel zusammenhängen. Reiche Leute können sich auch eine CO2-Steuer leisten. Aber wie tun Menschen mit geringen Einkommen?



Wie geht es bei dir weiter, Lena? Kannst du dir auch eine politische Karriere vorstellen?

Nun ja ich studiere Umweltsystemwissenschaften, ich werde mich dem Thema sicherlich weiterhin widmen. Gleichzeitig sah und sehe ich immer die Notwendigkeit, Menschen – vor allem die Jugend –  oder Inhalte zu vertreten, wobei ich mich weniger in einer Partei oder im Landtag sehe.

Ich werde weiterhin für FFF zur Verfügung stehen, allerdings wird es auch langsam Zeit Platz für die nächste Generation zu machen. Schön zu sehen, dass da im Sinne der Nachhaltigkeit  viele Junge nachkommen!



Lena Stuhlpfarrer, 19, ist Mitinitiatorin von Fridays For Future Graz. Sie lebt und studiert in Graz.



Interessante Links zum Thema:

Gestärkte Kinderrechte:

Artikel 12: Recht auf Beteiligung
Artikel 13: Meinungs- und Informationsfreiheit
Artikel 14: Recht auf Gedanken- Gewissens- und Religionsfreiheit
Artikel 15: Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit
Artikel 24: Recht auf Gesundheit

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Über die Autorin/den Autor:

Sonja Buchegger

BSc.

Sonja ist im Kinderbüro für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie liebt es Worte an ihren Platz zu bringen und  strukturiert gerne. Oft fragt sie sich, was im Hintergrund passiert. Das mag mit ihrer zweiten Berufung zur Psychotherapeutin zusammenhängen.

Wir sind jung und brauchen die Welt!